Grillparzer, Franz (1791-1872) 


In seiner 1853 entstandenen "Selbstbiographie" erzählt Grillparzer von einem wunderlichen Hofmeister, der ihn als Vorbereitung auf die Gymnasialzeit in den Anfangsgründen der lateinischen Sprache unterweisen sollte. Er war ein "sonderbares Gemisch von innerm Fleiß und äußerlicher Indolenz", ließ sich von seinen Zöglingen immer wieder hereinlegen und kaufte ihnen auch keine Schulbücher, obwohl der Vater ihm dafür das nötige Geld gegeben hatte. Das konnte auf die Dauer nicht gutgehen:

So ging es beinahe ein volles Jahr fort. Endlich aber brach das Schicksal herein. Mein Vater hatte einen lateinischen Brief nach Ungarn zu schreiben und war wegen eines Ausdrucks in Zweifel. Er ging daher in unser Zimmer, das er sonst nie betrat, um sich in meinem Wörterbuch Rats zu erholen. Er findet aber weder Wörterbuch noch Schulbücher. Ein großes Verhör wird vorgenommen, in Folge dessen der schuldige Hofmeister das Haus verlassen muß und ein neuer, ein Tiroler Namens Scarpatetti aufgenommen wird.

Die Prüfung am Ende des Schuljahrs wird nur durch ein großzügiges Geschenk gerettet. Der "prüfende Professor" war ein großer Gartenfreund, und Grillparzers Vater besaß "sechs oder acht große Oleanderstöcke in Kübeln". Sie wechselten den Besitzer, und der solchermaßen milde gestimmte Prüfer wertete die Prüfung als bestanden. 

Die "Selbstbiographie" wurde zum ersten Mal 1872 in den "Sämtlichen Werken" veröffentlicht.    


Wenn Sie auf dieser Seite Fehler entdeckt haben oder etwas hinzufügen möchten, schicken Sie mir bitte eine E-Mail . Ich bin für jeden Hinweis dankbar!
Falls Sie sich auf meinen Seiten verirrt haben oder ganz einfach nur zur Begrüßungsseite zurückkehren möchten, dann klicken Sie bitte hier.